Aktien-Anfäger, wo fang ich an? Teil 3

In Teil 3 von „Aktien-Anfäger, wo fang ich an?“ geht es um die Bewertung von Aktien und den Vergleich zu Firmen der gleichen Branche. Zudem stelle ich eine enfache Methode vor in dem sich die Entwicklung der Firma gut abschätzen lässt. Warnen muss ich jedoch vor so mancher Möglichkeit sich im Internet Informationen zu beschaffen…In Teil 2 von „Aktien-Anfäger, wo fang ich an“ ging es ja um das Kurs-Gewinn-Verhältnis und damit um die Frage, ob eine Aktie gerade teuer ist oder nicht. Hier jetzt zu sagen eine Aktie ist günstig, weil ihr KGV unter XY liegt wäre zu kurz gedacht. Generell kann man jedoch sagen, dass große Indizes (also Dax, Dow Jonex und Co) im historischen Durchschnitt der letzten 20 Jahre ein KGV von ca. 15 hatten. Wer also Aktien zu einem KGV kauft, dass wesentlich darüber liegt muss sich bewusst sein, dass in der Aktie viel Fantasie, aber noch wenig harte Fakten, eingepreist sind.

Kommt es aus irgend einem Grund dann zu schlechten gesamtwirtschaftlichen Nachrichten oder läuft bei der Firma nur irgend eine Kleinigkeit schief fällt der Kurs schnell wie ein Stein.

Einem Anfänger empfehle ich deshalb ganz klar keine Aktien mit KGV 25 oder ähnlichen. Wer im Internet nach Begründungen für ein derart hohes KGV sucht wird diese zwar schnell finden, ob diese Gründe aber wirklich plausibel sind lässt sich ohne intensive Beschäftigung mit dem Thema oft nicht feststellen.

Nun will ich aber auf unsere Konsumwerte aus den vorherigen Teilen eingehen und diese nun einmal anhand Ihres KGVs gegenüberstellen. Mehr Infos zu den Firmen gibt es beim klicken auf den Firmennamen.

Kraft Foods Coca Cola Pepsi General Mills Kellog Company Unilever Johnson & Johnson Procter & Gamble
19,22 19,83 16,98 16,35 14,42 17,61 18,2 18,25

Nun sehe ich also, dass diese Werte ja doch relativ nahe beieinander liegen. Es geht von 14,5 bis fast 20. Wobei sich Kellog und zum Beispiel Coca Cola nur bedingt vergleichen lassen. Beide haben sich als stabile Unternehmen mit wachsenden Dividenden und hoher krisenfestigkeit bewiesen, dennoch gibt es Unterschiede. Kellog ist zum Beispiel stärker von hohen Rohstoffkosten betroffen, wie Coca Cola. Coca Cola produziert lediglich Wasser mit Farbstoff, während die Produktionskosten von Schokoladenriegeln und Müsli doch einiges sensibler auf steigende oder sinkende Rohstoffkosten sind.

Dabei mache ich jetzt einmal ein bisschen Werbung für meinen eigenen Blog. Gerade zu diese großen stabilen Firmen veröffentliche ich regelmäßig Zahlenmaterial und andere Fakten, die einen kurzen Überblick verschaffen. Dafür einfach mal den Firmennamen in die Suchfunktion eingeben.

Wenn mich eine Aktie interessiert und ich einschätzen will ob diese gerade im Vergleich teuer oder niedrig ist nehme ich mir einfach einmal einen Zettel. Dann schaue ich mir auf der Website der Firma unter Investor Relations einmal die Jahresberichte der letzten Jahre an. Dabei schreibe ich mir dann mal den Gewinn pro Aktie, der letzten Jahre, auf und rechne mir das Wachstum aus.
Coca Cola Gewinn pro Aktie Steigerung 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2006
PepsiCo Pepsi Pepsi Cola Gewinn pro Aktie Earnings per Share 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 growth wachstumsrate
Das ganze sieht dann in etwas so aus und schon hat man die Erklärung warum eine Coca Cola höher gehandelt wird als eine Pepsi Cola. Es gibt zwar das Sprichwort, dass an der Börse die Zukunft gehandelt wird, jedoch sollte man sich auch immer anschauen wie sich eine Firma in den letzten 5 Jahren geschlagen hat. Bei vielen Firmen gibt dies schon einen guten Überblick ob die Firma sich gerade leicht oder schwer tut.

Dabei gilt natürlich wieder, dass manche Branchen leichter zu bewerten sind als andere. Produziert die Firma Cornflakes ist die Entwicklung noch relativ einfach abzuschätzen, da sich der Geschmack und das Kaufverhalten der Kundschaft nicht über Nacht verändert. Ein krasses Gegenbeispiel wäre zum Beispiel ein kleinerer Mikrochipproduzent. Ein Grafikkartenhersteller, der sich auf Videospiele spezialisiert hat ist sehr schwer zu beurteilen. Hier kommen oft im Monatatstakt neue Produkte auf den Markt und was heute der letzte Schrei ist lässt sich in einem Jahr oft überhaupt nicht mehr verkaufen. Bei Firmen mit einer großen Affinität zu schnelllebiger Technik ist so das Zahlenwerk der letzten Jahre oft wenig aussagekräftig.

Denken Sie nur einmal an Nokia. Vor zehn Jahren wurde Nokia in vielen Publikationen bereits als sogenannter Forever-Stock gehandelt. Also eine Aktie die man unbesorgt über Jahrzehnte im Depot behalten kann. Ein paar Jahre später und einige verschlafene Trends weiter dotiert die Nokia Aktie bei 2 € ( im Jahr 2000 Kurs von fast 60 € ) und einem schlechten Kreditranking. Aus diesem Grund rate ich auch bei Aktien wie Apple und Co. immer zu Vorsicht, da sich in diesen Branchen Zahlen der Vergangenheit nicht einfach weiter schreiben lassen.

Bevor ich Teil 3 dieser Artikel-Reihe abschließe möchte ich Ihnen noch einen sehr wichtigen Tip auf den Weg mitgeben. Sicher sind Sie im Internet bereits auf die großen Börsenforen gestoßen in denen tausende Mitglieder über Aktien diskutieren. Wer also eine Einschätzung einer Aktie sucht wird sich oft dorthin verirren und dann in den entsprechenden Topic zu dieser Aktie gehen. Seien Sie kritisch mit dem was sie dort lesen. Die Mehrheit der Personen die dort schreiben besitzen nämlich die Aktie selbst. Menschen die die Aktie nicht besitzen werden kaum ihre Zeit im entsprechenden Forum verbringen. Die anwesenden Forenmitglieder schreiben also zu 90 % positiv über die Aktie, auch wenn es große Risiken gibt. Dies ist oft sogenanntes Pfeifen im Wald damit man das Fürchten nicht merkt.

Sollten Sie sich also bei einer Aktie nicht sicher sein; fragen Sie doch einfach jemanden, der sich auch mit Aktien beschäftigt, ein wenig Erfahrung mitbringt und die Aktie selbst nicht besitzt. Im Internet gibt es viele hilfsbereite Menschen, die sich das Unternehmen einmal ansehen werden und versuchen Ihnen einen objektiven zweiten Eindruck zu verschaffen.

Das war jetzt Teil 3 und ich glaube es werden doch noch ein paar Teile folgen. Wie immer sind Fragen und Anmerkungen sehr erwünscht. Hier geht es weiter mit Teil 4 und dem wichtigen Thema Dividenden.

3 Gedanken zu “Aktien-Anfäger, wo fang ich an? Teil 3

  1. Hallo,

    zuerst vielen Dank für die zahlreichen Analysen und Gedankenanregungen. In dem Artikel finde ich sieht man sehr gut, dass eine Coca Cola zwar sehr ambitioniert bewertet ist (KGV 20), auf lange Sicht allerdings kaufenswert ist. Viele behaupten die Aktie wäre bereits zu teuer, allerdings ist das meiner Meinung nach immer in Relation zu den Alternativen zu sehen. Wer weiß, ob eine Coca Cola mit Eurokrise (Angst ums Geld…) nicht bald sogar bei KGV 30 steht. Es kann natürlich auch sein dass eine Coca Cola wieder auf 15-13 zurückläuft, allerdings bedeutet dies ja nur eines: Sofern die 10% Gewinnsteigerung jedes Jahr gehalten werden können(konservativ gerechten s. Statistik oben) ist eine Coca Cola mit aktuell KGV 20 bei einer Haltedauer von 3-4 Jahren mit einer Gewinnsteigerung von 10% jährlich wieder bei KGV 15 und tiefer angelangt, d.h. es entstünde eine Verzinsung von 0% auf 3-4 Jahre im schlimmsten Fall. Wer das Teil allerdings 10 Jahre und länger halten will, der gewinnt unabhängig vom Einstiegszeitpunkt und KGV(wenn nicht gerade bei KGV 30) eine tolle Rendite, die allemal höher liegt, als die höchstens 2% auf 10 Jahre und noch dazu kein wertloses Papiergeld darstellt, sonderen eine Beteiligung an einem grundsoliden Unternehmen. Klar die richtig cleveren Anleger haben die Topunternehmen bereits in der Finanzkrise gekauft(gehöre ich nicht dazu bzw. hatte damals andere Probleme als dass ich mich um Aktienkäufe kümmern wollte). Nachweinen bringt nur wenig und ausserdem werden die Werte so schnell nicht wieder nach unten gehen(meine Meinung) weil mittlerweile bereits viele Leute gecheckt haben, dass eine Coca Cola allemal sicherer ist als eine Staatsanleihe. Deutlich sehen kann man dies eigentlich daran, dass die konjunkturunabhängigen Werte (z.B Unilever) seit dem Daxabsturz (von 7400 bis auf 5000 Punkte 35% Minus) praktisch nichts an Wert verloren haben. Nun zu hoffen, dass bei einem erneuten Absturz von Dax und/oder Dow die Topunternehmen deutlich günstiger werden(sprich Coca Cola,Pepsi,BAT,Unilever,Nestle…) halte ich für gewagt. Ich denke lieber zähneknirschend jetzt kaufen zu statistisch gesehen relativ hohem KGV und im schlimmsten Falle eine 0% Rendite auf 3-4 Jahre erhalten, als in 3-4 Jahren festzustellen hoppla Coca Cola steht immer noch auf KGV 20 (oder höher) und in den vorherigen 4 Jahren eine Rendite von 1,5%/a auf dem Girokonto erwirtschaftet zu haben. Genausogut ist nämlich denkbar, dass eine Coca Cola auf KGV 30-50 läuft, was ich zumindest im Verhältnis zu den Staatsanleihen gesehen (KGV 100 bei großer Ausfallwahrscheinlichkeit/Unsicherheit) immer noch für nicht zu teuer erachten würde.

  2. @make: Deine Überlegung halte ich für sehr richtig. Auf Festgeld und Tagesgeld gibt es nur noch sehr niedrige Zinsen, während es vielel langjährige und stabile Dividenden werte ala Coca Cola, Procter & Gamble, Unilever… gibt die Dividenden über den Zinssätzen der meisten Banken bieten.

    Es ist also sicherlich langfristig die bessere Entscheidung freies Geld in diese Werte zu investieren.

    Was passiert, wenn Länder wie Deutschland auch ihre guten Ratings verlieren sollten (was ich nicht hoffe) ist schwer voraus zusehen. Der Kleinanleger wird wohl kaum in Aktien gehen, die großen Vermögen könnten aber durchaus in Aktien wechseln. Höhere KGVs bei solchen Giganten wie KO oder Unilever wären also möglich.

    Zu KGVs von über 20 aber bei solchen Werten einzusteigen widerstrebt mir. Die Geschichte der letzten Jahre zeigt, dass KGVs von 30 oder ähnlichem nicht gehalten werden.

  3. Pingback: cheap isabel marant

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.