Theorie zum Ende eines Börsenabschwungs !

Heute kam mir einmal eine Idee und zwar: Nehmen wir an es kommt zu einer sehr schlechten Börsenphase, wie nach dem Platzen des neuen Markts oder der Lehman-Pleite; wie weit könnte es dann von jetzt ab nach unten gehen? Dabei habe ich mir einmal die Kursverläufen und das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältniss des Dax angeschaut. Dabei habe ich eine Theorie entwickelt wie tief es in einem Bärenmarkt maximal gehen kann…

Die Grundidee meiner Theorie ist, dass nach einem Marktanstieg irgendwann eine Zeitpunkt eintritt an dem die Bewertung der Aktien nicht mehr im angemessenen Verhältnis der Unternehmen steht.
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In Ordnung, dies ist jetzt wahrlich nichts neues. Die wesentlich wichtigere Frage ist jedoch, ob es ein unteres Limit für Kursverluste gibt. An welchem Zeitpunkt dreht ein Markt den wieder nach oben. Wann sind bei den Anlegern der Frust und die Verlust-Ängste vollständig abgebaut und der Gesamtmarkt bewegt sich wieder nach oben. Die Frage aller Fragen, wann kaufe ich am tiefsten Punkt.

Nun bediene ich mich dem Kurs-Gewinn-Verhältnis ( KGV oder englisch Price-Earning-Ratio; kurse P/E ). Das Verhältnis aus Aktienkurs und dem Unternehmensgewinn ist wohl die häufigst anzutreffende Kennzahl wenn es um die Beobachtung von Aktien geht.

Von übertrieben hohen Kursen spricht man generell, wenn das KGV im durchschnitt aller Unternehmen sehr hoch ist. Das durchschnittliche KGV der Dax-Werte ( seit 1990 ) liegt bei 14,6 ( Quelle: wikipedia.org ). Abwärts geht es dagegen, wenn der KGV deutlich darüber liegt.

Langfristig ist also immer davon auszugehen, dass der Gesamtmarkt mindestens wieder seinen Durchschnittswert von 14,6 erreicht und anschließend darüber hinaus steigt.

Meine Frage ist dabei: Gibt es eine Untergrenze, ab der ein Markt derart günstig ist; dass er ab jetzt wieder steigen muss? Also ein KGV Verhältnis ab dem keiner mehr Verkauft.

Dazu schauen wir uns zuerst einmal den Dax-Chart an. Also wir hatten dort zwei sehr markante Kurseinbrüche. Einmal den Kursverfall, der heute als Platzen der New Economy Blase gilt und zweitens den Kurz-Zerfall nach der Lehman-Pleite und dem Bekanntwerden der amerikanischen Hypothekenkrise.
Dax Chart langfristig 2000 2001 1999 2002 1998 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 Kurs-Gewinn-Verhältnis Durchschnitt Krise neuer Markt new Econmy Blase Hypothekenkrise amerikanische Bärenmarkt Daxstand Hochpunkt Tiefpunkt
Der höchste Punkt vor diesen beiden Kursverfällen war einmal der Februar 2000 mit einem Dax-Hoch von 7644 Punkten. Das zweite Hoch gab es im Dezember 2007 mit einem Spitzenwert von 8067 Punkten.

Danach zeigte der Trend nach unten; bis zum Tiefpunkt im März 2003 ( bei 2547 Punkten ) und Februar 2009 ( bei 3843 Punkten ).

Wo stand das KGV den bei den beiden Hochpunkten? Im Februar 2000 stand es bei ca. 30 und im Dezember 2007 bei 24. Also einen Hochpunkt anhand des durchschnittlichen KGVs eines Index zu erstellen schlägt fehl.

Dazu habe ich einmal ausgerechnet wie viel Prozent der Gesamtmarkt in diesen beiden Bärenmärkten verloren hat. Nach dem Hochpunkt 2000 verlor der Markt 66,68 % an Wert und nach dem Hochpunkt 2007 verlor er 52,36% an Wert.

Das KGV im März 2003 betrug ja ca. 30. 30 – 66,68 % ( Kursverlust bis zum Tiefpunkt)= 10 !

Das KGV im Dezember 2007 betrug ca. 24. 24 – 52,36 % (Kursverlust bis zum TP ) = 11!

Das Ergebnis hat mich selbst doch verblüfft. 10 und 11 liegen ja doch sehr nahe beieinander. Der Gesamtmarkt drehte also bei sehr ähnlichen Fundamentalbewertung der Unternehmen. Wichtig dabei ist, dass man vom KGV des Hochpunktes und nicht dem aktuellen KGV, in der Krise, rechnet.

Natürlich besitzt meine Theorie keinerlei wissenschaftlichen Status. Dazu sind zwei bedachte Fällte viel zu wenig Material; so dass es sich ja auch um einen Zufall handeln könnte.

Dennoch ist dieser fast gleiche Boden, im Bezug auf das KGV sehr interessant. Der Ansatz würde aber natürlich nur funktionieren, wenn man den Gesamtmarkt kauft. Da ja in jeder Krise manche Unternehmen weniger verlieren und andere gar in die Insolvenz gehen.

Eine gewisse Untergrenze, wann man wieder in den Markt gehen sollte könnte man daraus jedoch ableiten.

Das aktuelle durchschnittliche DAX KGV liegt im Moment bei unter 10. Daher wär nach dieser Theorie kein langfristiger Abwärtstrend im Gange. Die Theorie ist aber wie gesagt ohne Gewähr 😉 .

7 Gedanken zu “Theorie zum Ende eines Börsenabschwungs !

  1. Die These ist nicht schlecht, hat aber ein großes Manko: sie funktioniert nur im Nachhinein!

    Warum? Nun, das KGV von 2012 ist erst in knapp einem Jahr bekannt. Vorletzten Monat war das Ende des Geschäftsjahres 2011, damit wurden die KGVs von 2011 errechnet. Das was jetzt als KGV angeführt wird, ist nur das KGV[u][b]e[/b][/u] von 2012. „e“ für expected. Und Erwartungen können sehr schnell enttäuscht werden, so wie z.B. bei den Crashs von 2001, 2008 und 2009. Da blieben nämlich urplötzlich die Auftragsbücher leer – und wenn das „G“ aus KGV gegen Null geht, steigt das KGV gegen Unendlich = plötzliche massive Überbewertung 😮

    Und momentan wüsste ich ehrlichgesagt nicht, wo ein Aufschwung in den Auftragsbüchern herkommen sollte. Abgesehen von QE oder Crackup-Boom.

  2. Guten Morgen wuscheler,

    erstmal Danke, dass du so mitgedacht hast 🙂

    Also bei dieser KGV 10 Theorie gehe ich von dem KGV des HP aus; tue also so als würde diese KGV auch am TP gelten. Also nehme ich an, es wäre wirklich etwas an der Theorie dran, dann war das KGV des letzten Hochpunktes ( im April 2011 bei 7514 Punkten) bei ca. 10 gewesen. Von daher dürften wir jetzt keinen enormen Abstieg erleben! oder die Theorie klappt nur bei wirklichen Marktübertreibungen oder es ist halt doch Kaffeesatzlesen 😉 .

    Würde jetzt trotz enorm schlechter Nachrichten kein weiterer Ausverkauf stattfinden würde dies bedeuten, dass es ein art psychologischen Limit beim Anleger gibt, unter dem er nicht mehr Verkauft ( auch wenn der Chart ihm anderes erzählt). Da müsste man mal einen Massentest machen. Irgendwann will der Mensch anscheinend nicht mehr verkaufen, obwohl ihm die Angst und der Chart sagt „VERKAUFEN“!

  3. Vielleicht kann man den Wendepunkt auch anhand des DAXK erkennen. Wenn der DAXK auf das Niveau von September 2011 / März 2009 (Wert fast identisch ca. 2.800 Punkte) gefallen ist, steht der DAX wegen der Reinvestition von Dividenden zwar noch höher als im September 2011, aber der Unternehmenswert der enthaltenen Unternehmen identisch und man ist vermutlich verdammt nah dran am Wendepunkt?

    • Mein Fehler: im März 2009 war der DAXK irgendwo bei 2.300 Punkten. Wenn man die damalige bevorstehende Kernschmelze nicht erwartet, hat man dann ab 2.800 Kaufkurse? Was meinst du?

  4. Tobias, guter Ansatz. Im Indize werden Dividenden ja mitgezählt. Also geht ein Abschwung nicht so tief wie der vorherige. Dies könnte durchaus ein guter Ansatz sein, wann es nach oben drehen sollte.

    Lieber Gruß Ulrich

  5. Hallo,

    ich bin noch recht neu im Forum , bin nur auf ein Zufall darauf gestoßen
    bin aber sehr glücklich dass ich es gefunden habe. Habe vor in den nächsten Wochen auch mal ein Artikel zu schreiben.

    Ich denke es wird in den nächsten Wochen nochmal abwärts gehen, eine deutlich Erholung ist dabei zwischenzeitlich nicht auszuschließen, danke aber dass die EU Krise uns noch länger beschäftigen wird, vor allem Spanien macht mir Sorgen.

    Die Ausgangssituation ist mit der von Griechenland nicht ansatzweise zu vergleichen so ist der Schuldenstand immer noch vertretbar und eine Finanzierung über den Kapitalmarkt möglich, aber die enorm hohe Arbeitslosigkeit und die Immobilien Krise sind noch nicht im Ansatz überwunden.

    Nun zum eigentlichen Thema, ich orientiere mich immer gerne am Shiller Index , dadurch erhält man einen guten Eindruck. Ich konzentriere mich dabei allerdings auch direkt auf Aktien die ich für Interessant halte, an einem Index wie dem Dax leite ich weniger ab ob ich kaufe oder nicht.

    MfG

  6. Die Konvergenz des Aktienmarktes gegen langfristige Durchschnitts KGVs ist in der Tat eine Tatsache, die sich Anleger leicht zu nutze machen können. Ich denke allerdings nicht, dass sich einen Standard-Boden-KGV finden lassen wird. Der S&P500 hatte ja im Jahre 2008 sogar negative Gewinne, was das Kgv dann logischerweise auch negativ werden lässt. Historisch auch international ist aber das Preisverhältnis zu Gewinnen der Unternehmen des der letzten 10 Jahre ein guter Indikator für zukünftige Rendite. Mehr dazu hier:http://makrointelligenz.blogspot.de/2012/10/wohin-mit-dem-geld-investitionsmoglichk.html

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