Aktien Rückkauf – Sinnvolle Aktion oder verzweifelter Versuch die Aktionäre bei Laune zu halten?

Immer wieder liest man in der Presse von Aktienrückkäufen. Manchmal wird das Management dafür gelobt und manchmal gescholten. Doch warum ist das so? Was bringt ein Aktienrückkauf den Aktionären. Um es kurz zu sagen; Rückkäufe von Aktien können Verzweiflungstaten oder schlaue Schachzüge sein…

Die Grundidee eines Aktienrückkaufs ist es, den Aktionär am Gewinn zu beteiligen. Die wesentlich bekanntere Form der Gewinnbeteiligung ist die Dividendenausschüttung. Wieso sollte ein Unternehmen also einen anderen Weg gehen? Was soll den überhaupt dann der Aktienrückkauf?

Dazu muss man zuerst einmal den Effekt erklären, der durch einen Aktienrückkauf hervorgerufen wird. Nehmen wir an die XY AG hat 1 000 Aktien im Umlauf und sie macht pro Jahr einen konstanten Gewinn von 1000 €. Der Gewinn pro Aktie beträgt folglich einen Euro.

Kauft die XY AG nun 100 Aktien zurück verringert sich die Gesamtzahl der Aktien auf 900. Im folgenden Jahr werden wieder 1000 € Überschuss erwirtschaftet. Der Gewinn pro Aktie beträgt nun aber 1,11 €; folglich ist der Gewinn pro Aktie damit um 11 % gewachsen. Gehen wir davon aus, dass die Börse Aktien nach ihrer Ertragskraft bewertet, führt dies langfristig zu steigenden Kursen. Da die einzelne Aktie ja nun eine höhere Ertragskraft darstellt.

Spielen wir also das ganze einmal, aus der Sicht eines Dividenden-Investors, durch. Unternehmen XY macht 1000 € Gewinn. Das Management entscheidet sich 50 % davon als Dividende auszubezahlen und 50 % in den Rückkauf eigener Aktien zu stecken. Das Unternehmen befindet sich in einer Branche mit einen durchschnittlichen KGV von 10 und hat 1000 Aktien im Umlauf. Eine Aktie kostet folglich 10 €.

Im ersten Jahr bezahlt XY also 500 € Dividenden und kauft für 500 € Aktien zurück. Der Aktionär bekommt also 50 Cent Dividende pro Aktie. Für den 500 Euro Aktienrückkauf kann XY 50 Aktien zurückkaufen. Die Gesamtaktienzahl sinkt also auf 950 Stück.

Im zweiten Jahr hat XY wieder 500 € für Dividenden und 500 € für Aktien zur Verfügung. Der Aktionär bekommt diesmal jedoch pro Aktie 0,526 € ( +5,2% ) ; da die Gesamtzahl der Aktien ja gesunken ist. Der Kurs der Aktie befindet sich nun bei 10,526 € ( +5,26 % ). Das Unternehmen kauft wieder Aktien zurück und das Spiel wiederholt und wiederholt sich. Kurs und Dividenden steigen weiter und weiter.

Hätte ich nicht den gleichen Effekt, wenn das Unternehmen 1000 € an Dividenden ausschüttet und ich dann selbst Aktien am Markt kaufe und damit meinen Unternehmensanteil erhöhe? Im Prinzip ja. Doch sollte man Bedenken, dass ich als Privatperson ja 26,375 % Steuer inklusive Soli für meine Dividende bezahle. Das Unternehmen hat diese Belastung beim Aktienrückkauf nicht. Dadurch kann so für den Aktionär mehr erreicht werden, weil der Staat im Prozess kein Geld abzwackt.

Ein weiterer Grund für den Aktienrückkauf ist, dass das Management hoffentlich am besten über das Unternehmen Bescheid weiß. Das Management kann so also besser abschätzen wann die eigenen Aktien günstig oder teuer sind und so besser entscheiden, ob ein Kauf der eigenen Aktien sinnvoll ist oder nicht.

Gerade dieser Grund ist jedoch umstritten. Es kommt oft vor, dass das Management massive Fehlentscheidungen trifft und anschließend der Unmut unter den Aktionären wächst. Das Management versucht dann die aufgebrachten Aktionäre über Aktienrückkäufe bei der Stange zu halten. Ganz nach dem Motto: Schaut her, wir tun doch etwas für Euch! Dann werden oft übereilt viel zu teuer Aktien zurückgekauft, was dann ja auch nicht der Sinn der Übung ist.

Viele Unternehmen kaufen, wie im obigen Rechenbeispiel, regelmäßig Aktien zurück. Oft machen Sie aber einen entscheidenden Fehler. In Jahren mit niedrigen Kursen wird dieser Rückkauf plötzlich ausgesetzt. Selbst bin ich Aktionär bei Union Pacific. Die Union Pacifi Aktie stand Mitte 2008 bei über 80 $ und steht heute bei über 100 $. Im Jahr 2009 stand der Kurs manchmal sogar bei unter 40 $. Im Jahr 2008 hat Union Pacific Aktien zurückgekauft und auch im Jahr 2010 und 2011. Nur im Jahr 2009 eben nicht, obwohl es hier die Aktien unschlagbar günstig gegeben hätte.

Dies ist auch schon mein Kritikpunkt. Oft nutzen Unternehmen nicht die günstigen Zeitpunkte für den Rückkauf, sondern Kaufen zurück wenn der allgemeine Markt steigt. Jedoch muss ich eingestehen, dass es 2009 natürlich nicht absehbar war, dass sich die Branche wieder so schnell nach oben entwickeln wird. Hinterher ist man immer schlauer. Allgemein kann man nur sagen, schauen sich sich Aktienrückkäufe genauer an. Diese können gute Investitionen sein; zum Beispiel wenn die Aktie unter dem Buchwert notiert oder auch schlicht Verzweiflungstaten sein, die das Management vor der Entlassung retten sollen.

2 Gedanken zu “Aktien Rückkauf – Sinnvolle Aktion oder verzweifelter Versuch die Aktionäre bei Laune zu halten?

  1. oder das management gönnt sich grosszügige aktienoptionen die es dann auf den markt schmeisst. damit diese menge an aktien nicht den kurs einbrechen lässt ist das unternehmen gleichzeitig gezwungen aktien zurück zu kaufen! das dann zu jedem kurs, egal wie ungünstig er ist!

    also immer schauen wieviele optionen die führungsriege „verdient“! und zu welchen kurs es diese bezieht! da werden immer wieder eigentümer betrogen, siehe z.b apple bei denen der steve j. auch mitgemacht hat!

  2. Pingback: Aktien Rückkäufe – I’m loving It… | Der Value Blog

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