EUROPE IS WHERE MONEY DIES – Warum ich in Europa nicht investiere.

Vor einigen Wochen habe ich in einem amerikanischen Forum den Satz „Europe is where money dies“ gelesen. Den Satz fand ich erst eigentlich ganz witzig und habe ihn seitdem einige Male bei mir im Kopf herum gedreht. Beim Blick in mein Depot habe ich gemerkt, dass ich momentan keinen einzigen europäischen Wert habe. Warum ist das so? Alle Positionen sind im Plus und so fühlt man sich ja schnell selbst bestätigt. Doch ist diese Positionierung vielleicht zu vorsichtig gedacht? Was bewegt mich dazu keine europäischen Aktien zu kaufen…
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Rein Fundamental sind viele Aktien in Europa günstig. Doch KGV, Buchwert und Co sind nicht alles. Es gibt einen sehr wesentlichen Faktor für meine Aktienauswahl und dies ist das anzunehmende Wachstum.

Um wachsen zu können braucht man mehr Konsumenten. Langfristig sieht es da in vielen europäischen Ländern nicht sehr gut aus. Demografische Entwicklungen belasten also nicht nur die deutsche Rentenkasse, sondern auch den Kurs von Aktien. Dieses Fass will ich aber nicht wieder aufmachen. Die größten Wachstumschancen gibt es sicherlich nicht in West-Europa. Fast alle Regionen der Welt sind vom Konsumenten-Wachstum besser aufgestellt. Europas Wachstumschance ist da am ehesten Ost-Europa mit einem enormen Aufholpotential. Thilo Sarrazin sagte vorgestern in einem Interview übrigens, dass sich das wirtschaftliche Ungleichgewicht Deutschland-Frankreich durch die Demografie in Zukunft aufheben wird.

Ehrlich gesagt ist diese Bevölkerungsentwicklung aber kein wirklicher Kaufgrund für meine Aktien. Das ist dann vielleicht doch ein wenig zu langfristig gedacht.

Was mich von europäischen und im speziellen deutschen Firmen abhält sind die Branchen in denen sich diese bewegen. Viele deutsche Firmen sind im technischen Bereich unterwegs. Ob dies jetzt Autobauer, Solarfirmen oder Maschinenbauer sind; die Zukunft ist schwer abzuschätzen. Selbst traue ich mir zu vorherzusagen, dass Henkel auch in 20 Jahren noch Waschmittel an den Mann bringen kann. Wo aber ein Firma wie SMA Solar oder selbst Daimler in 20 Jahren steht ist schwer zu sagen. Von Firmen in Griechenland & Co ganz zu schweigen. Wer weiß da schon ob es die Dividenden vielleicht bald wieder in Drachme gibt.

Nun aber wieder zum Thema Wachstum. Wachstum in Europa? Dies schreiben sich die EU-Regierungschefs ja gerade medienwirksam auf die Flaggen. Aber ehrlich so einfach wird das nicht. François Hollande wird sich da vielleicht noch wundern. Einfach mehr Geld ausgeben und schon kommt das Wachstum. Fakt ist aber, dass nicht jeder ausgegebene Staatseuro gleichzeitig mehr als einen Euro Wachstum erzeugt. Die Relation Schulden/wirtschaftliche Leistung verschlechtert sich also noch. Hierbei danke an Querschuesse.de , die dies oft an Statistiken aufzeigen.

Moment. Dieses Problem hat doch die USA auch. Die haben doch auch hohe Schulden und eher maues Wachstum. Dennoch gehe ich davon aus, dass die US-Situation besser ist. Erstens bestehen die USA nicht aus unabhängigen Nationalstaaten.

Dies ist ein wesentlicher Vorteil. In den USA käme keiner auf die Idee Schulden-Staaten wie Kalifornien auszuschließen. Wirtschaft ist nun einmal Psychologie und Europa ist einfach super darin Ängste aufzubauen.Diese Ängste werden noch lange die Wirtschaft und damit auch die Aktienkurse Europas schädigen. Europas Problem ist doch vor allem die politische Einigkeit im Bezug auf die Wirtschafts/Fiskal/Monetäre Politik. Damit Europa für mich als Anleger interessant wird müsste da schon eine einheitliche Linie gefahren werden. Doch wo soll diese herkommen? Neue Verträge? Diese sind, im Ernstfall, sowieso wenig wert und zweiten haben wir 17 Länder in der der Eurozone. Dies bedeutet, dass man es dauernd mit anderen Regierungschefs zu tun hat. Wird heute in Europa eine wirtschaftspolitische Einigung erzielt; kann diese durch die häufigen Regierungswechsel nächste Woche schon wieder dahin sein. Europa kann es schaffen und wird es auch schaffen. Doch wie lange wird das Dauern? Etliche Jahre! Eine schnelle und einfache Lösung gibt es nicht. Warum also in Europa investieren? Ich bleibe auf der Seitenlinie.

Eines sollte man aber dennoch nie vergessen. An der Börse wird die Zukunft gehandelt. Die Schuldenkrise ist ein gewichtiges Problem. Würde man auf dem Mars aber Außerirdische entdecken wäre das Thema schnell aus dem Bewusstsein verschwunden und würde auch nicht mehr so stark belasten. Europa tut aber leider alles Damit das Thema zum medialen Dauerbrenner wird 🙁 .

5 Gedanken zu “EUROPE IS WHERE MONEY DIES – Warum ich in Europa nicht investiere.

  1. Na, ein oder andren interessanten Wert gibts in Europa aber allemal, ob nun eine Nestlé, Diageo oder andre Unternehmen, die auch in den Schwellenländern weltweit aufgrund ihrer Bekanntheit stark wachsen. Nur sind sie im Moment im Unterschied zu den US-Granden vergleichsweise teuer

  2. Finde ich auch ein interessantes Phänomen, dass die europäischen Konsumwerte oft höher bewertet sind wie die US-Player. Warum leuchtet mir nicht ein; schließlich sind die US doch im moment sicherer. Die Schwellenländer haben die US-Konzern genau so im Portfolio.

  3. Ich könnte mir vorstellen, dass es am aktuell starken Dollar liegt. (Verglichen mit etwa 2007). Für in Dollar denkende Investoren ist es momentan attraktiv in Europa zu investieren, um später Währungsgewinne mitzunehmen. Deshalb wird daheim Geld abgezogen und in Europa investiert. Letztlich aber halte ich es für wenig sinnvoll über die Launen von Mr. Market zu sinnieren. Da zugreifen wos interessant ist und ansonsten abwarten. Ich hab mir während der Japan-Delle vorigen März ein paar JNJ ins Depot gelegt bei 41€. Und jetzt schau ich mir die nächsten Jahre an wie die Dividende sukzessive steigt. Nach den ersten beiden Erhöhungen bin ich jetzt bei brutto 4,2% aufs eingesetzte Kapital. So man investieren Spaß…

  4. Spannende Frage.
    Für den breiten europäischen Markt bin ich im Moment ebenfalls skeptisch. Aber es gibt durchaus deutsche/europäische Unternehmen, die weltweit – also auch dort, wo im Moment mehr Wachstum stattfindet – agieren. Diese Titel finde ich schon interessant.
    Zur Problematik, ob man in Europa investieren sollte, gibt es aktuell unter:
    http://finanziell-umdenken.blogspot.de/2012/05/wurden-sie-aktuell-neue-aktien.html
    eine Umfrage.

    VG
    Lars

  5. Ich halte diese Einschätzung über das europäische Wachstum für richtig, nur muss man auch sagen, dass Deutschland Weltmarktführer im Maschinenbau ist und diese Tatsache baut auf vielen eher unbekannten mittelständischen Unternehmen auf, die von Familien geführt werden. Dies halte ich für sehr solide und ist der Erhaltung von Arbeitsplätzen dienlich.

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