Iamgold verkauft

Sehr geehrte Leser,

im Juni 2014 hatte ich Iamgold (IAG) vorgestellt und im Mai diesen Jahres erfolgte nun der Verkauf. Bereits im September 2015 hatte ich meine Meinung zum Unternehmen geändert. Die anhaltende Pannenserie um die neue Westwood Mine und die wenig vertrauensbildenden Aussagen des Managements ließen das Investment dann doch fraglich aussehen. Den steigenden Goldpreis wollte ich aber noch mitnehmen und so erfolgte erst jetzt der Ausstieg. Zumindest teilweise war das Investment erfolgreich. Aber der Reihe nach…

Die Gründe für den Verkauf

Zur Erinnerung hier noch einmal die Gründe für den Kauf:

  • die neue Westwood Mine sollte zu niedrigen Kosten produzieren
  • die Durchschnittskosten fallen durch Stilllegung teurer Minen und Kostenreduzierungen
  • starke Bilanz

Westwood

Bild-Quelle: IAG Homepage

Was die neue Mine angeht so haben sich meine Erwartungen nicht erfüllt. Durch zwei Gesteinseinbrüche ist die Produktion zeitweilig ins Stocken geraten und hat die Produktionskosten in die Höhe schnellen lassen. Anfangs hat das Management noch beschwichtigt, man hätte alles unter Kontrolle und ein kompetentes Team vor Ort. Aber offenbar war das nur Sand für die Augen der verbliebenen Aktionäre. Nach dieser Pannenserie holte man sich Hilfe von außerhalb und musste den Aktionären reinen Wein einschenken. Im Januar diesen Jahres kam dann der neue Minenplan heraus und der hatte es in sich. Es muss einiges umgebaut werden und so wird voraussichtlich Westwood erst 2019 die volle Produktionskapazität von 210.000 Uz Gold erreichen. Auch die Kosten sind deutlich höher als ich erwartet hätte. Die AISC über das gesamte Minenleben wurden auf 804 USD/Uz geschätzt, bei aber nur 183.000 Uz. Bis 2019 werden die Kosten natürlich deutlich höher ausfallen. Dazu kommt dass für die Umbauarbeiten allein in diesem Jahr 65 Mio. USD fällig werden, um die Fehler der Vergangenheit aus zu bügeln (insgesamt ca. 145 Mio. USD). Von den 180 Mio. USD Abschreibungen im letzten Jahr auf Westwood einmal ganz zu schweigen.

Ehrlich gesagt bin ich verwundert über die sehr schlechte Performance von Westwood. Einer seits wirbt das Management mit seinem Flaggschiff. Was auch nicht weiter verwunderlich ist, da die Goldgrade mit bis 11 g/t dort sehr hoch sind und Westwood eine der kostengünstigsten Minen werden soll. Aber auf der anderen Seite ist diese Werbung auch sehr irreführend. Die Reserven haben „nur“ 7 g/t, da der Großteil den Ressourcen zu zu schreiben ist. Und genau jene Ressourcen sind es, die mit 11 g/t geschätzt werden. Dazu kommt, dass man wohl anfangs die Komplexität der Geologie und die Brüchigkeit des Gesteins unterschätzt hat.

Ob Westwood wie geplant 2019 produzieren wird, steht in den Sternen. Das Risiko erneuter Gesteinsbrüche ist auch nach Umbau- und Sicherungsarbeiten nicht ganz gebannt. Bricht einmal so ein Stollen ein, wird es schnell sehr teuer. Selbst wenn niemand verletzt oder gar getötet wird, könnten die Behörden die Mine still legen, bis die Ursache geklärt und die Mängel abgestellt sind. Außerdem versperrt ein verschütteter Stollen ggf. den Zugang zu anderen Bereichen. Das Material muss erst entsorgt werden, bis die Produktion weiter laufen kann. Ich persönlich ziehe es vor nicht bis 2019 zu warten, ob aus der Erfolgsstory noch etwas werden könnte. Sollte es doch noch klappen könnte Iamgold 2019 mit Westwood ca. 84 Mio. cash vor Zinsen und Steuern einnehmen.

Durchschnittliche Produktionskosten

Der zweite Kaufgrund wegen sinkender Durchschnittskosten hat sich auch nicht erfüllt. Iamgold hat immer noch AISC über 1.100 USD/Uz und damit eine der höchsten Kosten in der Branche. Selbst Goldfields produziert etwas günstiger. Auf Grund von erneuten hedging-Verlusten sind die Kosten sogar 2015 noch zum Vorjahr gestiegen. Kostenreduzierungen sehen anders aus.

All zu viel Hoffnung sollte man sich auch nicht machen. Iamgold hat offenbar bereits das technische know how voll ausgeschöpft. Auch Rosebel und Essakane werden über ihre Lebensdauer hinweg um die 950 USD/Uz an Produktionskosten auf weisen. All zu viel kann Westwood hier nicht heraus reißen. Mittelfristig hat IAG auch nichts was man günstig in Produktion geben könnte. Auf Cote Gold hat man letztes Jahr 400 Mio. USD abgeschrieben, da diese potentielle Mine nur bei höheren Goldpreisen profitabel wäre. Aktuell liegt das Projekt auf Eis. Auch Sadiola in Mali ist nahezu erschöpft. Um hier weiter produzieren zu können, müssten die Anlagen von weichem auf hartes Gestein umgestellt werden. AngloGold Ashanti (41% Anteil) ist davon wenig begeistert. Und so ist auch hier unklar wie es weiter gehen wird.

Bild-Quelle: IAG Homepage, Sadiola Goldmine

In diesem Zusammenhang ist es ein Hohn für die Aktionäre, wenn nach einem Rekordverlust von 755 Mio. USD und gestiegenen Kosten folgendes von CEO Letwin verkündet wird:

Our performance was strong in 2015. Essakane had another record year. We met overall guidance, improved our cost structure, and maintained a strong balance sheet. The industry continues to operate against a backdrop of economic uncertainty, yet has shown that it can optimize performance under tough conditions. We are confident that we can build on these achievements and have lowered our cost guidance for the second year in a row.“

Selbst wenn man das finanzielle ausblendet, auch die Produktion liegt etwas unter Vorjahresniveau. Wo ist hier die starke Performance?

Starke Bilanz

Der letzte Kaufgrund war die starke Bilanz. Zum Kaufzeitpunkt zeichnete sich ein Verkauf der Niobium-Mine in Kanada ab. Das hat auch soweit geklappt und ordentlich cash in die Kasse gespühlt. Außerdem hatte ich in meiner Analyse auf den hohen Bestand an Goldbarren hin gewiesen, den man nur zu Herstellungskosten bilanziert hatte. Auch wenn Iamgold einiges an Geld verbrannt hat, so ist noch ein ansehnlicher Cash-Berg von 660 Mio. USD vorhanden. Der schrumpft allerdings langsam, ohne das ein Ergebnis auf der Einnahmenseite zu bemerken wäre. Das Geld aus dem Verkauf der Niobium-Mine ist noch da, wurde aber nicht investiert. Wünschenswert wäre es gewesen, wenn man die absurd niedrigen Bewertungen Ende letzten Jahres genutzt hätte. Es gab viele Gelegenheiten Minen von Konkurrenten zu kaufen und auch viele Junior-Produzenten kämen als billige Übernahmekandidaten in Frage. Immer hin hat Iamgold den gestiegenen Goldpreis in diesem Jahr genutzt um die Goldbarren zu verkaufen. Das brachte einen netten einmaligen Gewinn von 73 Mio. USD in Q1. Aber damit ist dieser versteckte Wert nun auch geborgen.

Zusammenfassung

Grundsätzlich hat IAG nach wie vor eine starke Bilanz und bei aktuellen Goldpreisen nichts zu befürchten. Sollte der Goldpreis aber dauerhaft unter 1200 abrutschen, wird IAG wieder Geld verbrennen, während andere noch etwas Geld verdienen. Um so erstaunlicher dass die IAG Anleihe bei ca. 88% notiert (knapp 11% p.a.), während man von den Aktionären noch mal 30 Mio. USD einsammeln konnte (für 2,525 USD/Stück). Wozu habe ich auch nicht ganz verstanden. Für die Westwood Capex ist auch so noch genug cash vorhanden, selbst wenn man die reservierte Summe aus dem Niob-Verkauf weg lässt. Und wieso das Risiko der Aktie eingehen, wenn die Anleihe bei moderatem Risiko gute Zinsen abwirft? Abgesehen davon gibt es Minenfirmen mit weit aus geringeren Kosten, die tatsächlich Geld verdienen. Einige davon habe ich hier vorgestellt.

Meiner Ansicht nach ist es das Risiko jetzt IAG Aktien zu kaufen nicht mehr Wert. Das Management ist nicht vertrauenswürdig und der Kurs hat sich fast verdreifacht. Die IAG Aktie hängt wegen fehlender operativer Verbesserungen jetzt völlig vom Goldpreis ab. Ich nehme daher meine Gewinne mit. Mit rund 24% für knapp 2 Jahre ist das Ergebnis nicht berauschend. Angesichts der Kapriolen hätte es aber auch schlechter enden können.

Was kann man daraus lernen?

1. Ein kompetentes und vertrauenswürdiges Management ist wichtig

Es gibt zwar einfachere Geschäftsmodelle, aber ein gutes Management ist meiner Meinung nach immer wichtig. Egal ob man core, quality oder income Investing verfolgt. Mit einem schlechten Management können auch robuste Firmen scheitern oder zumindest an Wert verlieren. Hier stimme ich im übrigen nicht mit Buffett überein. Warren Buffett hatte einmal verlautet:

„Investiere nur in ein Unternehmen, dass auch ein Dummkopf führen könnte. Denn früher oder später wird genau das passieren.“

Selbst bei einem simplen Geschäftsmodell reicht eine Macho-Übernahme, um die Bilanz zu ruinieren. Oder man denke nur einmal an die gescheiterten deutsch-chinesischen Unternehmen.

2. buy low, sell high funktioniert

Auch wenn IAG diverse Probleme hat, war das Unternehmen letztes Jahr absurd niedrig bewertet. Hätte ich nicht das Vertrauen ins Management verloren, hätte ich nachgekauft und damit meinen Einstandskurs noch einmal stark senken können. Aber auch so hat es sich rentiert, billig Minenaktien zu kaufen. Auch wenn das viele Investoren erst jetzt verstanden haben.

3. Geduld haben

Jedes Investment erfordert Geduld. Unternehmen können ihre Probleme nicht an einem Tag lösen. Egal ob diese Probleme interner oder externer Natur sind. Die nötigen Gegenmaßnahmen brauchen Zeit zum „wirken“ und ein gutes/schlechtes Quartal ist wenig aussagekräftig.

Das gilt auch für den Kauf- und Verkaufszeitpunkt. Ich hätte auch letztes Jahr mit gut 50% Verlust verkaufen können, als die gesamte Minenbranche völlig zerbombt am Boden lag. Statt dessen habe ich abgewartet, bis der Kurs in etwa den inneren Wert reflektiert.

 

Hinweise in eigener Sache

Trotz sorgfältiger Prüfung meiner Investition kann ich nicht ausschließen dass sich ein Fehler eingeschlichen hat. Alle Leser sind angehalten alle Fakten zu prüfen und sich ihre eigene Meinung zu bilden.

 

Jahresbilanz 2015 des Musterdepots

Etwas verspätet aber doch noch, werde ich wie versprochen mein hiesiges Musterdepot besprechen.

Im Laufe des Jahres 2015 wurden mit Posco und IBM nur 2 Werte gekauft. Grund hierfür war schlicht ein Mangel an passenden Gelegenheiten, die mir zum richtigen Zeitpunkt aufgefallen wären. Die ursprünglich auch fürs Musterdepot geplante Admiral Group (siehe Jahreskommentar zum realen Depot) lief im Kurs davon, bevor ich dazu kam, einen begründenden Artikel zu verfassen.

Das erste Jahr des Musterdepots verlief im Wesentlichen enttäuschend. Rund 80% des Startvolumens waren während der kompletten Laufzeit in unverzinslichem Cash, sodass selbst der gravierende Kurssturz von Posco im Laufe des Jahres keine großen Auswirkungen aufs Gesamtdepot hatte.

Zum Jahresende setzte sich das Depot wie folgt zusammen.

35 Stck. IBM @128,14€ 4.484,90€

25 Stck. Posco @132,44€ 3.311,00€

Cash 39.484,09€

Summe 47.279,99€

Das Anlagegesamtergebnis für das Jahr 2015 beträgt damit minus 5,44%, deutlich schlechter als das reale Depot und die wichtigsten Indizes.

Der Stahlmarkt leidet bis auf Weiteres an massiven Überkapazitäten, weswegen die Preise während des gesamten Jahres 2015 sich nicht wirklich erholten. Immerhin geht es dem Niedrigkostenhersteller Posco dabei immer noch besser als dem Großteil der Branche. Nur dass „besser“ als „ziemlich schlecht“ eben nicht unbedingt gut ist. In Großbritannien wird derzeit darüber diskutiert ob die Regierung die dortigen Werke von Tata Steel auf Staatskosten erhalten soll. Derartige Regierungseingriffe würden die notwendige Bereinigung des Stahlmarktes natürlich deutlich verzögern, worunter alle Marktteilnehmer weiter zu leiden hätten. Es verdichten sich damit aber auch die Hinweise, dass die anhaltenden niedrigen Stahlpreise inzwischen die ersten Opfer erfordern und die Konsolidierung des Sektors langsam eingeläutet wird. In den ersten Monaten des neuen Jahres hat sich der Kurs der Posco-Aktie jedenfalls wieder etwas erholt und notiert deutlich höher als zum Jahreswechsel.

IBM hatte ebenfalls wie bereits in der Jahresbilanz für das Realdepot angerissen ein extrem schlechtes Jahr. Vor allem der stark aufgewertete Dollar bescherte „Big Blue“ massive Probleme und ein vergleichsweise schlechtes Ergebnis.

Heute notiert die IBM-Aktie geringfügig über dem Kurs zu Jahresbeginn.

Alles in allem ein eher enttäuschendes Jahr. Gute Ideen für die Erweiterung des Depots sind aktuell allerdings leider Mangelware.

Kennzahlenvergleich Eisenbahnen – Teil 3

nachdem wir uns in den letzten 2 Beiträgen die Unternehmen grob angesehen haben geht es nun ans Eingemachte. Werfen wir einen Blick auf das Zahlenwerk.

Umsätze

Die Umsätze aller Unternehmen haben sich die letzten 10 Jahre stark erhöht. Die hauptsächlichen Gründe dafür sind Übernahmen und die Zunahme des Volumens.

Die Umsätze wurden wie folgt gesteigert:

Umsatz in Mio.

Jahr\ Unternehmen Canadian National Railway Canadian Pacific Railway CSX Norfolk Southern Kansas City Southern Union Pacific Genesee & Wyoming
2005 $7.240 $4.392 $8.618 $8.527 $1.352 $13.578 $385
2006 $7.716 $4.583 $9.566 $9.407 $1.660 $15.578 $479
2007 $7.897 $4.708 $10.030 $9.432 $1.743 $16.238 $516
2008 $8.482 $4.932 $11.255 $10.661 $1.852 $17.970 $602
2009 $7.367 $4.402 $9.041 $7.969 $1.480 $14.143 $545
2010 $8.297 $4.981 $10.636 $9.516 $1.815 $16.965 $630
2011 $9.028 $5.177 $11.743 $11.172 $2.098 $19.557 $829
2012 $9.920 $5.695 $11.756 $11.040 $2.239 $20.926 $875
2013 $10.575 $6.133 $12.026 $11.245 $2.369 $21.963 $1.568
2014 $12.134 $6.620 $12.669 $11.624 $2.577 $23.988 $1.639
2015 $12.611 $6.712 $11.811 $10.511 $2.419 $21.813 $2.000

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BVN – Alternative Bewertung

Sehr geehrte Leser,

den Goldproduzenten BVN (Compania de Minas Buenaventura) hatte ich hier bereits vorgestellt und bewertet. Bei meiner damaligen Bewertung hatte ich den fairen Wert auf 30 bis 35 USD je Aktie geschätzt. Inzwischen hat das Unternehmen selbst in einer aktuellen Präsentation auf die massive Unterbewertung hin gewiesen. Wo stehen wir also heute,  über einem Jahr später?

In der aktuellen Unternehmenspräsentation zeigt BVN auf, dass der Aktienkurs in 2015 um 56% gefallen ist. Während der Kupferpreis um 26% und der Goldpreis um 10% gefallen ist. Nun notiert auch Cerro Verde, eines der größeren Joint Ventures von BVN, an der Börse. Auch die Marktkapitalisierung von Cerro Verde ist wegen der niedrigen Kupferpreise über die Jahre gefallen. Ein interessanter Umstand ist jedoch, wie sich die Marktkapitalisierungen Ende 2015 verhalten:

Unternehmen Marktkapitalisierung
Cerro Verde, 19,6% BVN Anteil 1,2 Mrd. USD
BVN (direkte Operationen und JV) 1,5 Mrd. USD
=> BVN ohne Cerro Verde 0,3 Mrd. USD ???

Mr. Market bewertet also die gesamte BVN ohne Cerro Verde mit nur 300 Mio. USD. Wie absurd niedrig dieser Wert ist, zeigt sich allein schon an einem anderen JV – Yanacocha. Yanacocha gehört zu fast 44% BVN und schüttet dieses Jahr 300 Mio. cash Dividende an die Anteilseigner (BVN und NEM) aus. Für BVN fällt somit eine Dividende von 130 Mio. USD an. Wenn also Yanacocha nur 1 Jahresgewinn Wert wäre, müsste die restliche BVN (ohne Cerro Verde und ohne Yanacocha) nur noch 170 Mio. USD wert sein. Nun ist aber weder Yanacocha nur 1 Jahresgewinn wert noch ist BVN lächerliche 170 Mio. USD. Die Summen sind so unrealistisch niedrig, dass es Mr. Market eigentlich auffallen müsste. BVN besteht aus gut 2 Dutzend Firmen, von Minen, Ingenieursbetrieben, Joint Ventures, Energieproduzenten usw. Für 170 Mio. USD bekommt man eine kleine Goldmine oder einen Windpark, aber kein Industriekonglomerat.

Vielleicht ist Cerro Verde an der Börse überbewertet? In Zeiten niedriger Rohstoffpreise ziemlich unwahrscheinlich, dass Mr. Market bereit ist einen Aufschlag für eine Kupfermine zu bezahlen. Cerro Verde wird in naher Zukunft 100 bis 120 Mio. USD als cash Dividende an BVN bezahlen, je nach Kupferpreis. Der cash flow Multiplikator liegt also bei 12 bis 10. Zum Jahresende hin wurde die Erweiterung von Cerro Verde von 120k auf 360k TPD planmäßig vollendet. Damit steigt die Produktionsprognose für dieses Jahr auf 550 bis 600 MT Kupfer. Im Vorjahr wurden noch 247 MT (BVN Anteil 48 MT) produziert. Damit steht in Cerro Verde jetzt der größte Kupferkonzentrator der Welt. BVN und natürlich auch Freeport McMoran (Haupteigentümer von Cerro Verde) haben dadurch einen hohen Hebel auf den Kupferpreis. Bei steigendem Kupferpreis fällt ggf. nicht nur die cash Dividende höher aus, auch die Buchwerte der Beteiligungen steigen. Bisher hatten Abschreibungen auf eigene Minen und Joint Ventures das Jahresendergebnis von BVN verhagelt.

Neben Cerro Verde und Yanacocha besitzt BVN noch weitere Joint Ventures und eigene Firmen. Nimmt man nur einmal alle jene, die eine cash Dividende (in naher Zukunft) bezahlen, sieht die Rechnung wie folgt aus:

Firma Zukünftige Cash Dividende für BVN
Sociedad Minera Cerro Verde S.A.A 100 – 120 Mio. USD
Minera Yanacocha S.R.L 130 Mio. USD
Consorcio Energético de Huancavelica S.A (Huanza) 20 – 25 Mio. USD
Gesamt 250 – 275 Mio. USD

Huanza ist ein 100 MW Wasserkraftwerk, dass zu 100% BVN gehört. Setzt man für diese cash Dividenden einen Multiplikator von 10 an, erhält man für diese wenigen Firmen schon einen Wert von 2,5 bis 2,8 Mrd. USD. Umgerechnet auf die ausstehenden BVN Aktien sind das schon rund 10-11 USD je Aktie. Der aktuelle Kurs steht bei knapp 8 USD, womit die Sicherheitsmarge allein hierfür schon 25 – 40% beträgt. Diese Dividenden sind auch Teil der Berechnungsgrundlage für eine Dividende an die BVN Aktionäre.

Darüber hinaus hält BVN noch Anteile an El Brocal (56,3%), La Zanja (53,06%) und Coimolache (40,1%). Der Buchwert aller Joint Ventures betrug am Jahresende 2015 etwas über 2 Mrd. USD. Also deutlich mehr als BVN aktuell an der Börse gehandelt wird.

El Brocal ist auch an der Börse (Sociedad Minera el Brocal S.A.A.). Diese Firma hat rund 1,2 Mrd. USD EK in den Büchern stehen und notiert an der Börse bei über 800 Mio. USD. Der BVN Anteil beträgt also 680 Mio. EK-Anteil bzw. 450 Mio. USD Börsenbewertung (2-3 USD je BVN Aktie). Auch das ist weit mehr als die 300 Mio., welche Mr. Market aktuell bereit ist für eine BVN ohne Cerro Verde zu bezahlen. Auch bei El Brocal wurde der Ausbau der Produktion gegen Jahresende erfolgreich beendet. Dadurch steigt die Kupfer- und Zinkproduktion genau zur richtigen Zeit, wo die Rohstoffpreise ihren Boden gefunden haben.

Während viele andere Minenunternehmen im Bärenmarkt schrumpfen, wächst BVN auch bei den eigenen Minen weiter. Aktuell baut man am Tambomayo Projekt, das schon Ende diesen Jahres in Produktion gehen wird. In 2017 wird dann die volle Produktion von 3,5 Mio. Uz Silber und 150k bis 170k Uz Gold erreicht.

BVN ist bestens aufgestellt, mit niedriger Verschuldung und ausgeweiteter Produktion, auf die steigenden Rohstoffpreise zu reagieren.

Der Buchwert lag Ende 2015 bei knapp 3,2 Mrd. USD bzw. 12,4 USD pro Aktie. Nach über 3 Jahren Bärenmarkt und zahlreichen Abschreibungen ist das Eigenkapital als werthaltig anzusehen. Das stellt die untere Grenze für den Wert des Unternehmens dar. Je nach dem wie profitabel Cerro Verde und El Brocal nach dem Ausbau sind, lässt sich noch eine Einkommensschätzung abgeben. Ebenso sind natürlich noch die Produktionskosten von Tambomayo unbekannt.

Die nächsten Quartale werden zeigen, wie gut BVN die Kosten im Griff hat. Seit Januar hat sich der Kurs schon verdoppelt, was auf die etwas gestiegenen Rohstoffpreise zurück zu führen ist.

 

Der menschliche Faktor beim Investieren / Lake Shore Gold

Sehr geehrte Leser,

heute konnte ich mich nicht so recht für einen Titel entscheiden. Denn irgend wie geht es um beides. Am realen Fallbeispiel Lake Shore Gold möchte ich zeigen, dass trotz guter Voraussetzungen etwas schief gehen kann. Denn alle Finanz-Theorien über das Investieren nützen nichts, wenn am Ende der Mensch der größte Einflussfaktor für die Rendite ist.

Wie alles begann…

Nach gründlicher Analyse kaufte ich mir im Oktober 2015 ein paar Aktien von Lake Shore Gold. Lake Shore Gold (kurz LSG) wurde 2002 als Explorationsfirma in Kanada gegründet. Bereits 2003 konnte man sich Anteile am Timmins Gold Projekt sichern, dass 2011 in Produktion ging. Durch ständige Zukäufe von neuen Projekten konnte LSG gut wachsen. Zuletzt 2015 mit der Übernahme von Temex Resources, denen das Whitney Projekt gehörte. Damit verfügt LSG über ein interessantes Portfolio von Projekten, die man entweder eines Tages selbst hätte in Produktion bringen (so wie Timmins Gold) oder verkaufen können.

Das interessante an LSG ist, dass man über kostengünstige „high-grade“ Projekte verfügt, die auch bei aktuell niedrigen Goldpreisen noch Gewinn abwerfen. So lag der Gewinn 2015 bei 2 CAD-Cent je Aktie, während die meisten anderen Goldproduzenten nur noch ein positives EBITDA ausweisen konnten. Der free cash flow lag bei rund 10 CAD-Cent je Aktie und die Netto-Verschuldung betrug am Jahresende rund 0 CAD (EK-Quote rund 76%). Insgesamt sind das sehr gute Voraussetzungen den aktuellen Bärenmarkt zu überleben und weiter profitabel zu wachsen.

Wie so viele (Gold-)Minenaktien gab es auch LSG deutlich unter Wert zu haben. Somit passten die Aktien, neben den anderen unterbewerteten Firmen, recht gut in mein Depot.

Das Ereignis…

Eigentlich hätten meine LSG Aktien auch noch länger dort liegen sollen, wo sie waren, bis eines Tages die Unterbewertung korrigiert sein würde. Wie so oft kommt es an der Börse aber anders als man denkt. Schon Anfang Februar diesen Jahres bekam LSG von Tahoe Resources ein Übernahmeangebot. Das ein profitabler Juniorproduzent ein Übernahmeangebot bekommt, hat mich zwar nicht überrascht (ich hatte sogar damit gerechnet). Aber die Konditionen der Übernahme schon eher. Für eine LSG sollten 0,1467 Tahoe Aktien gezahlt werden. Die Kurse standen am Börsenvortag bei 1,07 USD für LSG und 8,40 USD für Tahoe. Der Kursaufschlag betrug also 0,16 USD pro Aktie, bzw. knapp 15%. Sonst gab es nichts.

Der Schock…

Für ein Unternehmen, das locker das drei-fache Wert ist, sind 15% Aufschlag ein Witz. Gerade zu Lachhaft. Irgend wie auch ein ironischer Zufall, dass gerade Karneval war. Umso trauriger war zu sehen, dass offenbar das Management keine Anstalten machte einen besseren Kaufpreis heraus zu schlagen. Es bestand keinerlei wirtschaftliche Notwendigkeit das Unternehmen zu einem Spottpreis zu verscheuern. Ich kann nur vermuten dass dem Management die neuen Posten und Gehälter bei Tahoe Resources so gut gefallenen haben, dass sie die Aktionäre glatt vergessen haben. Die präsentierten Argumente für die Übernahme, wie z. B. eine regelmäßige Dividende und höheres Handelsvolumen sind absurd. LSG hätte selbst eine kleine Dividende zahlen können, wenn man denn gewollt hätte. Die Marktkapitalisierung wäre mit der Zeit auch von selbst gestiegen.

Für Tahoe Resouces ein Bombengeschäft zur richtigen Zeit (Tiefpunkt Bärenmarkt) eine gute Firma günstig zu erwerben.

Die Entscheidung….

Somit blieb mir nur noch die Option zu verkaufen. An Tahoe wollte ich nicht beteiligt sein. Tahoe hat eine große Silbermine und zwei low grade Goldminen. Nichts was man im Depot haben muss – da gibt es bessere Minenfirmen. Theoretisch hätte ich noch darauf hoffen können, dass die LSG Aktionäre das Angebot ablehnen. Mein Bauchgefühl hat mir aber vermittelt lieber nicht darauf zu warten. Also setzte ich mein Limit und ein paar Tage später war ich draußen.

Vor kurzem erfolgte dann auch die Bekanntgabe, dass die LSG Aktionäre mit sozialistischer Mehrheit der Übernahme zugestimmt haben. Vermutlich hat man lauter passive Fondsmanager eingeladen, um zu solch einer rätselhaften Entscheidung zu gelangen.

War meine Entscheidung aus heutiger Sicht richtig? Grundsätzlich ja.

Das Timing war sowohl gut als auch schlecht. Während der Übernahmediskussion lief gerade eine Goldpreis-Rallye, welche die Aktienkurse beflügelt hatte. Somit betrug mein Gewinn nach Kosten rund 24% für schlappe 119 Tage Haltedauer. Hätte ich ein paar Wochen länger gewartet, wären auch rund 100% drin gewesen, was deutlich näher am Wert von LSG gelegen hätte. Somit lag ich mit meiner Einschätzung von LSG offenbar nicht verkehrt. Aber da ich nicht die Rohstoffpreise der Zukunft vorher sehen kann, konnte ich nur nach den anderen Kriterien entscheiden. Es hätte auch anders kommen können, z. B. ein fallender Goldpreis oder ein Börsencrash in dieser Zeit. Dann hätte ich ggf. mit Verlust verkaufen oder die ungeliebte Tahoe Resources halten müssen. Ärgerlich wäre es auch gewesen, wenn das Angebot nach meinem Ausstieg noch nachgebessert werden würde. Theoretisch hätten auch die Aktionäre sich gegen eine Übernahme entscheiden können und LSG wäre weiterhin auf eigenen Beinen groß geworden. Dann hätte ich jedoch die Aktie auch nicht mehr gehabt, um daran Teil zu haben.

Bei Übernahmespekulationen bis zum Schluss abzuwarten ist eine heiße Nummer. Im Falle meiner K+S Aktien war es richtig während der Übernahmespekulationen durch POT auszusteigen, da ich diese Aktien später (nach dem Platzen der Übernahme) deutlich billiger wieder zurück kaufen konnte. In einem anderen Fall, wo Osisko Mining von Yamana Gold und Agnico Eagle übernommen wurde, wäre es rückblickend auch schlecht gewesen als Osisko Aktionär nach der geglückten Übernahme zu verkaufen.

Da ich leider verkaufen musste, bevor der innere Wert erreicht wurde, werte ich das Investment als Fehlschlag.

Man kann an diesem Beispiel schön sehen, dass der menschliche Faktor stark die Performance beeinflussen kann. Damit sind nicht nur die eigenen Handlungen gemeint, die man teilweise bewusst kontrollieren kann. Sondern auch die Entscheidungen dritter (Management, Mitaktionäre). Ich bin daher skeptisch wenn passive Investoren behaupten sie würden immer die Marktrendite bekommen. Auch ein passiver Investor muss von Zeit zu Zeit kaufen und verkaufen.

Ein Patentrezept gehen Fehlschläge gibt es nicht. Eine hohe Sicherheitsmarge hilft sicher, so wie in diesem Fall. Vielleicht auch ein oder mehrere aktive Großaktionäre, sowie ein Aktionärs-orientiertes Management.

Kennzahlenvergleich Eisenbahnen – Teil 2

nachdem wir in Teil 1 die ersten 2 Unternehmen kurz betrachten konnten, vervollständigen wir die Kurzvorstellung heute. Leider funktionierte das Einfügen nicht immer. Das Problem bei Computern sitz in der Regel ja zu 90% zw. Tastatur und Rückenlehne, diesmal liegt leider wirklich an der Technik. Anstatt Bilder/ Grafiken habe ich die entsprechenden Links eingefügt.

In den USA existieren neben der 2009 von Warren Buffet übernommenen Burlington Northern Santa Fè (BNSF) die noch zu habenden Union Pacific, CSX, Norfolk Southern, sowie die deutlich kleinere Kansas City Southern und die Genesee & Wyoming.

Union Pacific ist die größte Gesellschaft im Vergleich. UP beschäftigt ca. 42.600 Mitarbeiter und betreibt 8.500 Lokomotiven auf 32.100 Streckenmeilen. Der Sitz ist in Omaha/ Nebraska. Die UP war eines von 2 Unternehmen, das 1862 durch Abraham Lincoln den Auftrag erhielt eine transkontinentale Linie zu bauen, die Omaha in der Mitte der USA mit Sacramento an der Westküste verbindet. Ihr Streckennetz erstreckt sich über die westliche Hälfte der USA und überschneidet sich häufig mit dem der BNSF, was die beiden zu Hauptkonkurrenten macht.

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