Analyse Subsea 7

Sehr geehrte Leser,

ich hatte schon die Hoffnung aufgegeben, dieses Jahr auch noch in etwas anderes als Bergbau- und Agrarunternehmen investieren zu können. Aber manchmal passieren doch kleine Wunder. In letzter Zeit ging es mit dem Ölpreis stetig abwärts. Gleichzeitig führte das bei manchen Branchen zu regelrechten Panikverkäufen, z. B. bei US Fracking-Firmen und bei offshore drilling companies. Ausgelöst wurde der Ölpreisverfall durch die Erkenntnis bei den Anlegern, dass der US Fracking-Boom die Märkte mit Öl & Gas „überschwemmt“ und die OPEC lieber eine Menge-vor-Preis-Strategie fahren will (d. h. Verteidigung von Marktanteilen). Die schwache wirtschaftliche Entwicklung in Europa und China dürfte sicher auch mit zu einer geringeren Nachfrage und damit zu einem Angebotsüberhang beitragen.

Ich persönlich glaube nicht daran, das der Ölpreis lange niedrig bleiben wird und habe mich daher auf die Suche nach Value-Investments in dem Bereich gemacht. Die Branche von Anbietern für Hochseebohrungen ist innerhalb eines Jahres gut unter die Räder gekommen. Manche Anbieter haben 1/3 bis die Hälfte ihres Börsenwertes verloren. Somit bietet sich die Gelegenheit ein paar Schmuckstücke heraus zu picken. Bei Fracking-Firmen sieht es ähnlich aus, aber um die geht es ein anderes mal.

Warum glaube ich, dass der Ölpreis nur kurz- bis mittelfristig so niedrig bleiben wird?

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Der Kompetenzbereich beim Value Investing

Sehr geehrte Leser,

wenn man sich mit Value Investing befasst, stößt man irgend wann unweigerlich auf dieses Thema. Im Internet werden auch regelmäßig Artikel dazu veröffentlicht. Warren Buffett beschreibt den Kompetenzbereich beim Investieren so, dass man sich möglichst in Branchen einkaufen sollte, wo das Geschäftsmodell über lange Zeit stabil bleibt. Also die zukünftige Entwicklung (z. B. von Gewinnen) nur von sehr wenigen Parametern abhängt. Umso weniger sich die Geschäftsgrundlage verändert, umso leichter sollten Vorhersagen zu treffen sein und umso genauer lässt sich der innere Wert des Unternehmens bestimmen. Außerdem verleiten sehr einfache Geschäftsmodelle mit wenigen Einflussfaktoren nicht dazu, dass man all zu leicht zu viele Annahmen trifft (die alle falsch sein könnten).

Dazu hat sich Buffett auch einmal passend geäußert:

Man sollte nur in Firmen investieren, die auch ein absoluter Vollidiot leiten kann, denn eines Tages wird genau das passieren!“… Weiterlesen

Stabile Einnahmen aus Wasserkraft – 5,1% Ausschüttung, noch recht günstig

Brookfield Renewable Energy Partners LP.

Woher bekommt man den überhaupt noch eine Rendite auf sein Geld? In den letzten Jahren hat sich hier für Kleinanleger eine weiter Chance aufgetan, die aufgrund der niedrigen Zinsen, durchaus attraktiv erscheint.

Es geht dabei um das Feld der alternativen Anlageformen. Früher gab es Gold, Aktien, die eigenen vier Wände (die drei Speichen) und eben Spareinlagen auf der Bank. Der Begriff alternative Anlagen ist eigentlich auch nichts wirklich ganz neues. Es geht dabei darum, dass man sich an einer Investition in Infrastruktur oder Immobilien beteiligt…

Das es immer mehr Fonds und andere Anlageformen zum Thema gibt – resultiert wohl zum einen daraus, dass diese Anlageform noch relativ gute Renditen (bei oft recht hoher Sicherheit) verspricht und zum anderen viele Staaten sehr klamm sind und immer mehr ihrer Infrastruktur verscherbeln und dann zurück pachten.

Wie verantwortungsbewusst/los dies von Seiten der Politik ist … anderes Thema… Weiterlesen

Buchbesprechung: Security Analysis – Die Bibel des Valueinvestings

Die Erstveröffentlichung von Graham und Dodd’s „Security Analysis“ jährt sich heuer zum 80. Mal. Grund genug, dem ewig jungen Meisterwerk hier einen Beitrag zu widmen.

Das Buch ist ein faszinierendes Werk, teils trotz, teils aber auch wegen seines Alters. Es entstand vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise und ihren Folgen, die für den heutigen Leser kaum nachzuvollziehen sind. Eine massive Unsicherheit prägte seinerzeit die Investorenlandschaft, die im großen Crash nicht nur große Teile ihres Vermögens verloren hatte, sondern auch mitansehen musste, wie zahllose scheinbar unbezwingbare Industrieriesen in wenigen Jahren in den Bankrott rutschten. Einige der im Buch behandelten Themen scheinen auf den ersten Blick ziemlich veraltet, etwa die Frage nach den vorhandenen Informationsquellen. Wobei selbst dieses Thema bei Investments in vielen Ländern noch nicht abgearbeitet ist, weil oft die Berichte nur in der Landessprache verfügbar sind. Aber auch ansonsten bieten diese Passagen einen interessanten Einblick in die Welt von vor 80 Jahren.

Einer ausführlichen Einführung in dem die Autoren beispielsweise den Unterschied zwischen Investition und Spekulation herausarbeiten, folgt eine lange Abhandlung über Anleihen einschließlich dessen, was man heute als „distressed-debt-investing“ bezeichnet. Dieser Teil des Buches hat an Aktualität absolut gar nichts eingebüßt. Eine absolute Perle findet sich meiner Ansicht nach im Thema „ausländische Staatsanleihen“. Dort heißt es:

„In the final analysis, a foreign-government debt is an unenforcable contract. If payment is withheld, the bondholder has no direct remedy. Even if specific revenues or assets are pledged as security, he is practically helpless in the event that these pledges are broken. It follows that while a foreign-government obligation is in theory a claim against the entire ressources of the nation, the extent to which these resources are actually drawn upon to meet the external debt burden is found to depend in good part on political expediency.“

Eine Folgerung, die ohne weiteres auch auf die Anleihen des eigenen Staates anwendbar ist. Wer sein Geld an Politiker verleiht, sollte das im Hinterkopf behalten. Staatsanleihen sind letztlich eine Forderung, bei der der Schuldner nach Gutdünken entscheidet, ob er zahlt oder nicht.

Auch der Abschnitt über Unternehmen in Restrukturierungen oder allgemein finanziellen Schwierigkeiten ist äußerst interessant, auch wenn sich einige juristische Details nicht übertragen lassen.

In den sich anschließenden Kapiteln zum Thema Aktien geht es dann zunächst in erster Linie um die Bewertung von Bilanzen und Ertragskraft von Unternehmen, um das Aufdecken von Bilanzierungstricks und vielem mehr. Aber es wird auch einiges bis heute Gültiges über das Verhältnis von Management und Aktionären und etwa zum Thema Aktienoptionen gesagt.

Alles in allem hält das Buch mehr als es verspricht. Es enthält unzählige kleiner und großer Weisheiten, sowohl über das Leben insgesamt, als auch natürlich über das Thema Investments. Die Sprache ist sehr anschaulich, es wird öfter auf Metaphern zurückgegriffen, um das Gesagte zu veranschaulichen. Eine gewisse Vertrautheit mit betriebswirtschaftlicher Terminologie ist allerdings schon erforderlich. Security Analysis sei hiermit jedem (angehenden) Valueinvestor wärmstens ans Herz gelegt, und zwar am besten im englischen Original, denn die Übersetzer der deutschen Version scheinen mit der Wortgewandtheit von Graham und Dodd in etlichen fachlichen Passagen etwas überfordert gewesen zu sein, wodurch der Leser manchmal ratlos zurück bleibt, was nun genau gemeint ist.

Schließen möchte ich mit einer weiteren Perle, die man sich regelmäßig ob der eigenen Investments vor Augen halten sollte:

„An investment operation is one which, upon thorough analysis, promises safety of principle and a satisfactory return. Operations not meeting these requirements are speculative“

IBM und die Aktienrückkäufe

Da meine Haltung zu den ausgiebigen Aktienrückkäufen bei IBM immer wieder mal beim ein oder andren zu Verwirrung führt, möchte ich hier einmal kurz ausführen, warum ich die Rückkäufe im Unterschied zu den meisten Mitmenschen gut finde.

Meine ersten IBM Aktien habe ich im Juli  2012 bei etwa 185 Dollar gekauft. In den 12 Monaten davor hatte IBM insgesamt 16.277 Millionen Dollar verdient und hatte im Q2 2012 1,16 Milliarden Aktien ausstehen, das EPS lag somit bei knapp über 14 Dollar je Aktie. Gemessen am offiziell ausgewiesenen Gewinn bezahlte ich also ein KGV von ca. 13. Das langfristige durchschnittliche KGV der S&P 500- Unternehmen lag in der Vergangenheit bei ca. 15. Da IBM von den Kapitalrenditen her klar überdurchschnittlich ist, war ich damals der Meinung ein Multiple von 18-20 sei als “faire Bewertung” nicht übertrieben. Demnach wäre der faire Wert bei etwa 250-280 Dollar zu suchen gewesen. Eine zusätzliche Sicherheitsmarge ergab sich dadurch, dass aufgrund der Wunderlichkeiten der Rechnungslegung der IBM-Gewinn m.E. tendentiell etwas zu niedrig ausgewiesen wird.

Wie stellt sich das ganze zwei Jahre später mit den Zahlen zum 2. Quartal 2014 für mich dar? Nun in den zwölf vorangegangenen Monaten hat IBM 16.746 Millionen Dollar verdient, das sind etwa 2,9% mehr als 2 Jahre davor. Allerdings hat IBM durch die vielen Aktienrückkäufe die Zahl der ausstehenden Aktien auf gut 1 Milliarde Stück reduziert (Ich rechne immer auf voll verwässerter Basis!). Das EPS liegt somit bei 16,75 Dollar und damit fast 20% höher als 2012. Damit ergäbe sich mit obigen Annahmen eine faire Bewertung von 300-335 Dollar. Mit andren Worten: In 2 nach allgemeiner Auffassung “schlechten Jahren” hat IBM den inneren Wert der Aktie um ca. 9,5%p.a. erhöht und über 2% Dividendenrendite ausgeschüttet. Möglich wurde das Wunder durch den permanenten Rückkauf der eigenen Aktien unter dem fairen Wert. IBM hat in den 2 Jahren ca. 30 Mrd. Dollar für Aktienrückkäufe ausgegeben und dafür dank der niedrigen Kurse 160 Millionen Aktien gekauft.

Hätte man stattdessen wie MSFT den Cash gehortet, und mit 1% verzinst angelegt, so wäre heute der Nachsteuergewinn ~17 Mrd. Dollar, was bei 1,16 Mrd. Aktien einem EPS von 14,65 Dollar entspricht, also weit weniger als durch die Rückkäufe.

Hätte man wie andre Firmen das Geld für irgendwelche großen Übernahmen ausgegeben (manche nennen das Wachstumsinitiative) und damit vielleicht 3% Nettorendite erzielt (KGV 30). Bei der eigenen Aktie betrug die FCF-Rendite die meiste Zeit eher 7-8%.

Der Aktienkurs hat sich interessanterweise in diesen 2 Jahren kaum bewegt, er liegt heute ebenfalls bei ca. 185 Dollar. Für die ökonomische Verzinsung war das ein Segen.

Hätte IBM die Aktien statt für 180-190 Dollar für 250-300 Dollar zurückkaufen müssen, so hätte man statt 160 Millionen Aktien nur etwa 100-120 Millionen Aktien kaufen können. Das EPS läge dann heute bei 15,80-16,10 Dollar. Allein durch die anhaltend niedrigen Kurse konnte IBM einen zusätzlichen fairen Wert von ca. 15 Dollar je Aktie schaffen (Bezogen auf meinen Einstand sind das gut 4% p.a.). Gegenüber einem Szenario ohne Rückkäufe sind es eher 30-40 Dollar(mit nutzlosen Cashhaufen oder überteuerten Übernahmen). Dennoch gilt IBM als “einfallslos” und die diversen Übernahmekönige und Cashbergehorter als “innovativ”.

Fazit: Selbst in 2 nach allgemeiner Auffassung miserablen Jahren hat IBM seinen inneren Wert um über 9% p.a. gesteigert und darüber hinaus noch ca. 2% Dividende abgeworfen. Ich kann mir schlimmere Investments vorstellen.

Disclaimer: Der Autor ist in IBM investiert. Der Beitrag stellt nur seine private Meinung dar, und ist keine Handlungsaufforderung oder -empfehlung. Der Leser sollte sich insbesondere hinsichtlich der von mir getroffenen Annahmen bezüglich “fairem KGV” unbedingt eine eigene fundierte Meinung aus einer Vielzahl von Quellen bilden.